Kantate BWV 66 - Erfreut euch ihr Herzen - Ostern 2018
Kantate BWV 66 - Erfreut euch ihr Herzen - Ostern 2018

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...unsere Solisten

Sabine Falter SOPRAN

Claudia Scheiner ALT


SABINE FALTER

Die Sopranistin Sabine Falter studierte in Frankfurt am Main und in Köln. Weitere Erfahrungen sammelte sie in Kalifornien bei Adolph Baller, dem Begleiter Yehudi Menuhins sowie in Salzburg bei Jacob Lateiner.

Seitdem konzertiert sie bundesweit. Als Stipendiatin der Kulturstiftung NRW produzierte sie eine CD mit dem Klaviertrio Cascades. Für einen Livemitschnitt des WDR arbeitete sie mit Peter Neumann und Christoph Spering zusammen.

Sabine Falter singt als klassisch aufsgebildete Konzertsängerin solistisch mit verschiedenen Ensembles zusammen. Außerdem macht sie Kindertheater und leitet Gospelworkshops; sie hat einen Lehrauftrag an der Hochschule für Tanz und Musik in Köln.
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CLAUDIA SCHEINER

 

 

 

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...unsere Aufführungen und die Komponisten

 

 „Ein feste Burg ist unser Gott“

Über die Entstehung dieser Kantate gibt es wenige gesicherte Kenntnisse. Grundlage ist wohl die in Weimar 1715 oder 1716 komponierte Oculi-Kantate (80a), deren Musik leider verloren ging. Überliefert sind hingegen die Textdichtungen von Salomon Franck, die vom Krieg Satans gegen Gott handeln.

Eine einfachere Neufassung der Kantate mit einem schlichten Eingangschor wurde vermutlich in Leipzig zum Reformationsfest 10 – 15 Jahre später komponiert (80b).

 

Als primäre Textquelle für die Kantate in der heutigen Form dienen vornehmlich die vier Strophen des Lutherliedes Ein feste Burg ist unser Gott. Die Texte Francks wurden hier in Form von Arien und Rezitativen eingearbeitet.

Der besonders kunstvoll komponierte Eingangschor gilt als einer der Höhepunkte von Bachs Choralbearbeitungskunst. Der Chor – er beginnt ohne Ritornell – singt eine Choralmotette, bei der jede einzelne Liedzeile fugenweise gesungen wird. Teilweise ist der Satz als Doppelfuge angelegt-so beginnt z.B. der Alt mit der ersten Liedzeile, während der Tenor die zweite dagegen setzt.

 

Herausragend ist in dieser Kantate vor allem die musikalische Symbolik, mit der Bach die selbstbewusste Siegessicherheit des Guten im Kampf gegen das Böse zum Ausdruck bringt.

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Das Weihnachtsoratorium

gehört zweifellos zu den bekanntesten und populärsten Werken von J.S. Bach. Es thematisiert die Geburt Christi, die Verkündigung der Botschaft an die Hirten, ihre Anbetung sowie die Ankunft der Hl. drei Könige.

Das Oratorium ist ursprünglich nicht als gesamtes Werk angelegt; Bach komponierte die sechs Teile als einzelne Kantaten für die Festtage zwischen Weihnachten und Epiphanias. So wurden die Kantaten 1734/ 35 in den Gottesdiensten an den drei Weihnachtstagen, an Neujahr, am Sonntag nach Neujahr und am Dreikönigstag in Leipzig uraufgeführt. Verbindendes Element aller Teile ist die Freude über die Geburt Christi.

Neben den Bibeltexten finden sich im Weihnachtsoratorium Kirchenliedertexte und freie Dichtungen; den unterschiedlichen Textgattungen ordnet Bach verschiedene musikalische Formen zu. Viele Rezitative basieren auf Bibeltexten, während bei den Chorälen oftmals Kirchenliedertexte verwendet wurden. Freie Dichtungen liegen vielen Arien wie auch den meisten Eingangschören zugrunde.

Die Arien nehmen in allen Teilen eine zentrale Stellung ein; zusammen mit den Chorälen dienen sie der Kontemplation und möchten dem Zuhörer die Bedeutung der Weihnachtsbotschaft nahe bringen.

Musikalische Höhepunkte des Weihnachtsoratoriums sind – neben den Arien – die feierlichen Eingangschöre. Sie sind mit reicher instrumentaler Besetzung und vierstimmigem Chor als repräsentative Festmusiken angelegt, stehen alle in Dur-Tonarten und im beschwingenden Dreiertakt.

Viele Chöre und Arien des Weihnachtsoratoriums sind nicht neu komponiert. Bach greift auf bereits vorher entstandene Kompositionen zurück. So wurde der Eingangschor des ersten Teiles aus der Gratulationskantate, die der sächsischen Fürstin gewidmet war, übernommen und um getextet: Aus „Tönet ihr Pauken, erschallet Trompeten…“ entstand „Jauchzet, frohlocket…“

Dieses Parodieren (eigener wie auch fremder Werke) war zu Bachs Zeiten gängige Praxis. Da Bach zeitlebens musikalische Aufträge erfüllen musste, war das Kopieren eigener Werke unumgänglich und zweckmäßig.

In heutiger Zeit wird Bachs großartiges Werk meist in Teilen in der Vorweihnachtszeit aufgeführt.
(Quelle: Wikipedia)

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Heinrich SCHÜTZ (1585 - 1672)

MUSIKALISCHE EXEQUIEN (op. 7)

Heinrich SCHÜTZ komponierte die Musikalischen Exequien im Jahre 1635 als Auftragsmusik anlässlich des Todes seines Landesherren Heinrich Posthumus Reuß. Die Druckfassung der Exequien erschien 1636 in Dresden.
Reuß hatte die Texte für seinen Sarkophag vor seinem Tode selbst ausgewählt. Auf dem Deckel und auf den Seiten standen 25 Bibelverse und Kirchenliedzeilen über Tod und Auferstehung. 
Von zentraler Bedeutung war für Reuß aber das Canticum Simeonis (Worte des neutestamentarischen Priesters Simeon vor seinem Tod.)
Reuß´ Witwe übergab die von ihrem Mann ausgewählte Textsammlung an Schütz, der diese Worte in seinen Musikalischen Exequien vertonte.
Das Werk gibt einen dreiteiligen Ablauf der Totenfeier vor, jedoch mit verschobener Gewichtung gegenüber der sonst meist üblichen Riten (Überführung des Verstorbenen - Messfeier - Prozession zum Grab):

Teil I - Concert in Form einer teutschen Begräbnis-Missa
In diesem Teil wurden die ausgewählten Bibelverse vertont.
Danach folgt die Predigt über den Bibeltext „Herr, wenn ich nur dich habe“
Teil II - Vertonung des Predigttextes in Form einer doppelchörigen Motette "Herr, wenn ich nur dich habe"
Teil III - Vertonung des Canticum Simeonis als fünfstimmige Motette Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren -
Grablegung

Die Musikalischen Exequien von Heinrich Schütz gehören zweifellos zu den kunstvollsten Trauermusiken des 17. Jahrhunderts. Für eine „richtige“ Aufführung stellte Schütz selbst dem Werk ein besonderes Verzeichnis "...der in diesem Werk befindlichen musikalischen Sachen nebst Anweisung an den günstigen Leser ..." voran.

 

Obwohl Schütz selbst die Exequien in seinem Hauptwerkverzeichnis als op. 7 aufnahm, fand es nur wenig Resonanz bei seinen Zeitgenossen. Erst im 20. Jahrhundert stand man dieser Komposition einen bevorzugten Platz in Schütz´ „Opera“ zu.

 

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Johannes BRAHMS (1833 - 1897) 

EIN DEUTSCHES REQUIEM (op. 45)

Johannes Brahms stammte aus einer norddeutschen Familie und wuchs in Hamburg auf. Sein Vater spielte Horn und Kontrabass und trat in Tanzlokalen auf. Mit 7 Jahren erhielt Johannes Brahms seinen ersten Klavierunterricht. Sein Lehrer erkannte sein Talent zum Komponieren und so wurde der junge Brahms von dem damals bekannten Komponisten Eduard Marxsen weiter ausgebildet. Schon früh veröffentlichte er erste Kompositionen - zunächst ausschließlich Klavierwerke. Erst später wagte er sich an Orchesterwerke, als ihm die Möglichkeiten und Grenzen eines Orchesters besser vertraut waren.

Der Begriff REQUIEM steht gemeinhin für die Liturgie der katholischen Totenmesse, bzw. für kirchenmusikalische Kompositionen zum Gedenken der Toten. Brahms jedoch grenzte sein Requiem deutlich gegen die lateinisch-katholische Tradition ab; ihm ging es um die Lebenden. Er wählte aus Texten sowohl des Alten wie des Neuen Testamentes Verse aus, bei denen der Trost der Hinterbliebenen im Mittelpunkt steht. Sie sind es, "die da Leid tragen" und "getröstet werden" sollen. Auch die musikalische Disposition entspricht nur wenig der Gestaltungstradition eines Requiems.

Die Idee, ein Requiem zu verfassen, hat Brahms mehr als ein Jahrzehnt beschäftigt. Da er eine starke Affinität zu den Themen Sehnsucht, Trauer und Tod verspürte, versuchte er immer wieder, sich diesen Themen künstlerisch zu nähern. Auch der 5. Todestag sines Freundes Robert Schumann mag mit ein Anlass für eine solche Komposition gewesen sein. 1861 begann Brahms zunächst mit der Zusammenstellung der Texte für die ersten vier Sätze; außerdem komponierte er den ersten Satz und einen Teil des 2. Satzes. Erst 1865, nach dem Tod seiner Mutter, setzte der Komponist die Arbeit mit dem Satz IV fort. Im Jahre 1866 schließlich leistete Brahms die Hauptarbeit und vollendete die Sätze II, III, VI und VII.

Am 1. Dezember 1867 fand die wenig erfolgreiche Aufführung der ersten drei Sätze statt. Weit begeisterter wurde die Uraufführung des sechssätzigen Werkes am Karfreitag des Jahres 1868 im Bremer Dom aufgenommen. Erst danach, im Mai 1868, ergänzte Brahms das Requiem um den heutigen Satz V. Das vollständige Werk erlebte seine Uraufführung 1869 im Leipziger Gewandhaus.

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Wilhelm Friedemann BACH (1710 - 1784)

und die Kantate "Erzittert und fallet"

Friedemann Bach war der älteste und begabteste Sohn Johann Sebastian Bachs. Er galt als der größte Orgelspieler seiner Zeit sowie als genialer Improvisator. Durch seinen Vater wurde ihm eine hervorragende musikalische Ausbildung zuteil. Friedemann studierte in Leipzig und wirkte als Organist und Komponist in Dresden, Halle und Berlin.

W.F. Bach galt zu seiner Zeit als besonders eigenwilliger Komponist. In seinen Werken versucht er die Musik seines Vaters aufzunehmen und dem Zeitgeist des 18. Jh. gemäß mit hochgesteckten künstlerischen Ambitionen weiterzuentwickeln. Seine Musik lässt sich wenig mit den formalen und stilistischen Schablonen seiner Zeitgenossen messen - sie strebt mit einem für seine Zeit hypermodernen Stil über diese hinaus.

Besonders seine Vokalwerke - zu denen auch die an Ostern aufgeführte Kantate gehört - zeichnen sich durch expressive Kühnheit und musikalische Virtuosität aus und sind technisch überaus anspruchsvoll. Sie bringen die Textinhalte vielfach tonmalend und mit Pathos zum Ausdruck.

Die Kantate "Erzittert und fallet" entstand während der Hallenser Zeit Friedemann Bachs (1749 - 1756) und basiert auf einer autographen Partitur.
(Elisabeth Lammers)

DER MESSIAS

von  Georg Friedrich HÄNDEL

Der Messias gehört bis heute zu den bekanntesten und populärsten Werken der geistlichen Musik des christlichen Abendlandes. Das Oratorium passt im Grunde in jede Jahreszeit und zu jedem christlichen Hochfest, stellt es doch die christliche Heilsgeschichte von den Prophezeiungen der Propheten bis hin zur Wiederkehr am Jüngsten Tage dar. Jedoch bietet das Werk keine durchgehende Handlung, kein Drama, sondern reflektiert über den „Messias“ (übersetzt: der Gesalbte) und seine Bedeutung für die Christen dieser Welt.

Der Librettist Charles Jennens – er war Dichter, Mäzen und ein Freund Händels – setzte das poetische Mosaik aus Textbausteinen vorwiegend des Alten, aber auch des Neuen Testaments zusammen. Mit dieser indirekten Erzählung gelang ihm ein meisterhaftes Libretto. Der vielseitig gebildete Jennens ließ dabei zeitgemäße religiöse und philosophische Anschauungen in den Text mit einfließen. Die Texte entnahm er dem nach dem Kirchenjahr geordneten „Book of Common Prayer of the Church of England“. Der Messias ist in drei Teile gegliedert: im ersten Teil geht es um die Prophezeiung der Ankunft und die Geburt des Messias; der zweite Teil behandelt seine Passion und Auferstehung, der kurze dritte Teil stellt die Erlösung, Wiederkunft und ewige Herrschaft des „Gesalbten“ dar.

Kaum fassbar, dass Händel dieses Werk in kaum mehr als drei Wochen im Sommer 1741 komponierte; wenn auch die Schnelligkeit bei den Komponisten zur Zeit Händels durchaus normal war, wurden doch damals permanent neue Werke in Auftrag gegeben und aufgeführt. Die Komposition des Oratoriums fiel in eine Zeit, da die italienische Opera seria – lange Zeit Händels Domäne – aus der Mode geriet. So stehen viele Arien noch dem Opernstil nahe, sind jedoch weniger virtuos und auch lyrischer. Wesentliche Neuerung in Händels Oratorien ist die Gewichtung des Chores. Zeitgleich mit der Fertigstellung des Werkes erreichte Händel eine Einladung des irischen Vizekönigs zu einem Gastspiel in Dublin. Den gloriosen Abschluss seiner Konzertreihe bildete die Uraufführung des „Messiah“ am 13. April 1742. Sie wurde als Benefizkonzert zugunsten mehrerer karitativer Organisationen angekündigt und vom Dubliner Publikum begeistert gefeiert. Im Gegensatz zu der enthusiastischen Begeisterung, die dem Messias in Dublin entgegengebracht wurde, reagierte das Londoner Publikum eher zurückhaltend. Viele kritisierten, dass ein Werk mit biblischem Sujet in einem profanen Theater aufgeführt wurde.

Erst ab 1750 entwickelte sich eine jährliche Aufführungstradition; Händel beschloss seine Oratoriensaison jährlich in der Fastenzeit mit dem „Messias“. Nach Ostern gab es jeweils eine weitere Aufführung im „Foundling Hospital“ zugunsten der dort lebenden Findelkinder. Die Behauptung, Händel erreiche mit geringsten Mitteln die großartigsten Wirkungen, ist im Messias beispielhaft verwirklicht. Die bescheidenen Möglichkeiten, die Dublin verglichen mit London bot, hat Händel offenbar berücksichtigt. Bereits vor der ersten Aufführung änderte er einige Passagen und komponierte neue Nummern. Es gibt keine Doppelchöre, nur selten werden Trompeten und Pauken eingesetzt. Dennoch ist die Musik farbig und abwechslungsreich mit einer Spannweite von pastoraler Stimmung (in der Hirtenmusik) über meditative Innigkeit, expressive Klage und überschwänglichen Jubel bis hin zu opernhafter Dramatik. Neben der ausdrucksvollen Melodik und prägnanten Motiven verwendet Händel teils sehr einfache, aber äußerst wirkungsvolle Kontraste als Ausdrucksmittel ( z.B. Hell- Dunkel/ Dur-Moll in dem Chor „Wie durch Einen der Tod“ oder in der Arie „Das Volk, das da wandelt im Dunkel“).

Die einzelnen Stücke spiegeln Händels Erfahrungen als Komponist italienischer Opern ebenso wie seine Kenntnis der norddeutschen Kirchenmusik und des englischen Chorgesangs. Händel selbst modifizierte sein Werk allerdings oft, um es den jeweiligen Gegebenheiten anzupassen, sodass keine Version als authentisch oder endgültig angesehen werden kann. In den nachfolgenden Jahrhunderten wurden zahlreiche weitere Änderungen in der Partitur vorgenommen, aber auch die Aufführungspraxis änderte sich. So kam es bereits im 18. Jahrhundert zu Aufführungen in großer Besetzung – im Gegensatz zur ursprünglich vorgesehenen kleinen Orchestrierung.

Zum 100. Geburtstag Händels erklang der Messias beispielsweise mit 295 Chorsängern und 248 Orchestermusikern. Eine Verfälschung der ursprünglichen Werkidee?

Dass seine Musik in solcher Vielfalt verbreitet und bei so zahlreichem Publikum Anklang fand und bis heute findet, dürfte den stets aufgeschlossenen und marktorientiert denkenden Händel durchaus gefreut haben. Dennoch sollte nicht vergessen werden, was der Komponist nach einer Messias-Aufführung einem adligen Besucher gegenüber äußerte: „Ich würde bedauern, Euer Lordschaft, wenn ich meine Zuhörer nur unterhalten hätte – ich wünschte sie zu bessern.“ Auch sollte man nicht vergessen, dass Händel bei allem Geschäftssinn stets auch die die Ärmsten der Armen im Blick behielt, nicht nur zu Lebzeiten: Den Findelkindern des Foundling Hospital vermachte er nach seinem Tode einen beträchtlichen Teil seines riesigen Vermögens.

(Elisabeth Lammers)

 

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januar 2018